Ja wo isser denn nu??

Abgelegt unter: Neues aus Omaha — gisbert am Donnerstag, 6 April 2006 um 12:25

Weise Worte über den (nicht vorhandenen) Frühling:

Atmosphärische Konflikte
Erich Kästner

Die Bäume schielen nach dem Wetter.
Sie prüfen es. Dann murmeln sie:
“Man weiss in diesem Jahre nie,
ob nu raus mit die Blätter
oder rin mit die Blätter
oder wie!”

Aus Wärme wurde wieder Kühle.
Die Oberkellner warten blass
und fragen ohne Unterlass:
“Also, raus mit die Stühle
oder rin mit die Stühle
oder was?”

Die Pärchen meiden nachts das Licht.
Sie hocken Probe auf den Bänken
in den Alleen, wobei sie denken:
“Raus mit die Gefühle
oder rin mit die Gefühle
oder nicht?”

Der Lenz geht diesmal auf die Nerven
und gar nicht, wie es heisst, ins Blut.
Wer liefert Sonne in Konserven?
Na, günstigen Falles
wird doch noch alles
gut.

Es ist schon warm. Wird es so bleiben?
Die Knospen springen im Galopp.
Und auch das Herz will Blüten treiben.
Drum raus mit die Stühle,
und rin mit die Gefühle,
als ob!

13 Kommentare »

Kommentar von Nino Nexo

6. April 2006 @ 20:40

Alfred Lichtenstein
Frühling

Ein gewisser Rudolf rief:
Ich hab viel zu viel gegessen.
Ob’s bekömmlich ist sehr fraglich.
Nach so fettem Mittagessen
Fühl’ ich mich recht unbehaglich.

Doch ich rülpse hübsch und rauche
Zigaretten hin und wieder.
Liegend auf dem schweren Bauche
Pieps ich lauter Frühlingslieder.

Sehnsuchtsvoll wie auf der Rampe
Quietscht die Stimme aus der Kehle.
Und wie eine alte Lampe
Blakt der Wind die saure Seele.

Kommentar von Gisbert

6. April 2006 @ 21:27

ui…das ist aber auch schön (-:

Kommentar von Gisbert

7. April 2006 @ 08:56

WILHELM BUSCH

Wanderlust

Die Zeit, sie orgelt emsig weiter,
Sein Liedchen singt dir jeder Tag,
Vermischt mit Tönen, die nicht heiter,
Wo keiner was von hören mag.

Sie klingen fort. Und mit den jahren
Wird draus ein voller Singverein.
Es ist, um aus der Haut zu fahren.
Du möchtest gern woanders sein.

Nun gut. Du musst ja doch verreisen.
So fülle denn den Wanderschlauch.
Vielleicht vernimmst du neue Weisen,
Und Hühneraugen kriegst du auch.

Kommentar von anonym ;-)

7. April 2006 @ 10:49

nur so zum thema frühling…

die sonne schien mir auf die lanze
schwupps, da stand’se

Kommentar von Gisbert

7. April 2006 @ 11:09

he,he sehr schön (-:

Kommentar von Wolfgang

7. April 2006 @ 16:02

auch frühling und singen und so…

Ritter Fips und das Echo

Herr Fips, geharnischt und beschildet,
war in Musik recht ungebildet,
doch wurd es Frühling und dann Mai,
vielleicht auch Juni, einerlei,
dann griff er mutig in die Saiten,
um sich zur Laute zu begleiten
zu Weisen, welche ihm entwichen
und eher einem Brüllen glichen.

Bis zum Gebirg drangen die Lieder
und kamen dann als Echo wieder,
so daß man sie, was jeden störte,
nach kurzer Zeit noch einmal hörte.
Doch wagte niemand, Fips zu zwingen,
zur andern Seite hinzusingen,
wo eine, weil dort flach das Land,
Gefahr des Echos nicht bestand.

Schlußfolgerung:
Die von Gesang nicht viel verstehn,
die lassen auch am besten den.

Kommentar von Wolfgang

7. April 2006 @ 16:03

ach ja: heinz erhardt ;)

Kommentar von Gisbert

7. April 2006 @ 16:51

(-:
Hi Wolfgang (-:

Kommentar von paul

9. April 2006 @ 10:59

hinter aines baumes rinde,
saß die made mit dem kinde

sie ist witwe,denn der gatte den sie hatte
viel vom blatte
diente so auf diese weise
einer ameise als speise!

eines tages sprach die made:
“liebes kind ich sehe grade,
drüben gibt es frischen kohl
den ich hol`so leb denn wohl

doch halte ein,denk was geschah,
geh nicht aus,denk an papa!

made junior aber schlich hinterdrein
und das war schade
denn schon kam ein bunter specht und fraß
die fade klaine made
und das war schade!

hinter eines baumes rinde
ruft die made nach dem kinde

Kommentar von paul

9. April 2006 @ 11:02

die sonne scheint mir ins gesicht,
daß darf sie nicht!

die sonne scheint ins kellerloch,
dann laß sie doch!

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25. April 2006 @ 11:27

[...] Kästners Gedicht erweist sich als wahre Google-Trafficmaschine. Liegt wohl am Wetter!?! [...]

Kommentar von Steffen

18. Mai 2006 @ 15:46

Euch ist schon klar das Erich Kästner dem NS seinen “Kampf” mitgeteilt hat. In dem Gedicht zeigt er seine Abneigung zum NS. Es hat nichts mit dem Frühling zu tun..

nur ma so..

Kommentar von Gisbert

19. Mai 2006 @ 14:21

Moin Steffen,
Nee das war mir nicht klar, aber danke für den Hinweis.
Allerdings eignet sich das Gedicht ja jetzt mehr als 50 Jahre später schon zu dem wonach es auf den ersten Blick aussieht……..(-:

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