Und endlich war Linz an der Reihe! So geschehen am gestrigen Abend als Österreichs interessantester weiblicher Folk-Act in Person der Ex-Alalie Lilt Sängerin die Räumlichkeiten des Linzer Posthofs beehrte. Sehr überraschend war, dass die in Ihrer Heimatstadt Wien doch schon zu einem gewissen Bekanntheitsgrad gereifte Sängerin auch in Linz eine beachtliche Fanschar ihr Eigen nennen kann. Wieder einmal etwas zu spät gekommen platzte ich irgendwo bei Harvest Moon in den Auftritt und als bewandter Alalie Lilt Kenner tut es gut, mit diesem Song, in einer etwas neuen Version arrangiert, in das Konzert geführt zu werden. Wunderbar wie man aus einem Nichts an Gitarrengriffen einen Pop Song zaubert, der einem auch bis ans Ende des Konzerts im Ohr bleibt.
In etwas abgespeckter Besetzung ohne Cello und Cajon wurde das zum Besten gegeben, was Clara Luzias Einzigartigkeit ausmacht. Wunderbare Texte eingekleidet in ein klassisches Songwriting Kostüm. Nur selten darf man erwarten, dass ein Song ausbricht oder eine Arrangement eine seltsame Wendung einnimmt. Die Feinfühligkeit mit der auf traditionelle Art Geschichten erzählt werden ist Basis genug und zieht in jedem Falle höchste Aufmerksamkeit auf sich. Den Anspruch “zu hatschen und Töne nicht ganz zu treffen”, wie es laut Presstext an diesem Abend verkündet wurde kann ich nicht ganz nachvollziehen. Hier wird weder gepfuscht oder gar einem Trend nachgehatscht, wenn ich das einmal so ganz frei interpretieren darf. Hier wird Musik gemacht, weil es sein muss und das nimmt man Clara zu 111% ab; eine Authentizitätsdebatte zu führen, so wie es so oft zu diesem Thema zu lesen ist, ist also völlig unangebracht.
Was ich zum ersten Mal feststellen musste, ist dass ein Clara Luzia Konzert trotz der Schwermütigkeit ihrer Musik zu einem durchaus komödiantischen Ereignis werden kann. Wer sich Clara’s Fähigkeiten das Publikum zu amüsieren, oft wohl auch ungewollt, nicht bewusst ist, der sollte schon allein aus diesem Grund einmal ein Konzert besuchen. Ihre Musik in die Arme zu schließen folgt darauf, dessen bin ich mir sicher. Selbst das durchaus als manisch zu bezeichnende Gitarren stimmen nach fast jedem Song wird ab einer gewissen Zeit zur Unterhaltung. Vielleicht erbarmt sich ja einmal der eine oder andere Gitarrenbauer und kann sich Clara’s Gitarren annehmen. Hier geht’s um viel, hier geht es um Emotionen, tiefe Gedanken, lange durchwanderte Nächte und wahrscheinlich auch Morgen, hier geht es um das wahre ganz normale Leben und da sollte es an einer verstimmten Gitarre nicht scheitern. Der letzte Song des Abends war einfach zu gut, um ihn nicht noch mindestens einmal hören zu wollen….
