SPOTLIGHT
Von Thomas Kurtenbach
Schöne Wörter in der Popmusik. Wir bekennen uns zu einer eigentümlichen Vorliebe, eigentümliche Worte in deutschen Popmusiktexten zu schätzen. Auch deshalb mögen wir eine Band wie „Tomte“ und ihren Vorturner Thees Uhlmann. Uhlmann, der oftmals schwer verdauliche Texte drechselt, die sich dem Sinn nach nur schwer erschließen, flicht immer wieder hübsche Wortperlen in seine Verse ein. „Antlitz“ gehört dabei zu seinen Lieblingen, jenes eigentümliche Wort, das früher häufiger benutzt wurde als heute und soviel wie Gesicht oder Angesicht bedeutet, ursprünglich aus dem gehobenen Sprachgebrauch stammt und heute beinahe verschwunden ist. Oder „nichtsdestotrotz“, das Uhlmann in einem Songtext „ein wunderschönes Wort“ nennt. Womit er Recht hat. Duden und Wikipedia sind sich einig, dass es sich bei diesem Adverb ursprünglich um eine scherzhafte Mischbildung – vermutlich aus dem studentischen Sprachgebrauch – aus „nichtsdestoweniger“ und „trotzdem“ handelt, die sich dann in die Umgangssprache eingeschlichen habe.
Jetzt hörten wir in einem Lied wieder so ein schönes Wort, das leider sehr selten geworden ist. Es heißt „verscheuern“, bedeutet so viel wie „verkaufen“ mit einem leicht negativen Zungenschlag, kommt vermutlich aus dem Niederdeutschen, wo „verschudern“ oder „verschutern“ so viel wie „tauschen“ hieß. Benutzt hat das Wort der Sänger und Songschreiber Gisbert zu Knyphausen, der wirklich so heißt, bisher eher unbekannt ist, es aber nicht bleiben wird. Dieser Tage landete sein Debütalbum auf unserem Schreibtisch, und wir wünschten uns, dieses Kleinod der deutschsprachigen Popmusik würde nicht erst Ende April, sondern gleich morgen erscheinen.
Kleinod. Kleinod ist auch so ein schönes deutsches Wort, das wir gerne mal gesungen hören würden. Uhlmann, übernehmen Sie!
Quelle